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Bullshit

  • metuw7
  • vor 13 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Bullshit

Das erste Schimpfwort der Welt, das ein Fachbegriff wurde: Bullshit. Bullshit definiert verbal verdichteten Riesenquark.


Kein rhethorisches Randgebiet

Bullshitten ist kein rhetorisches Randgebiet. Es gibt Sprechkulturen, die das Bullshitten erfolgreich ins Zentrum der Kommunikation setzen: Marketing-Geschwafel, Politik-Gewäsch, Kirchen-Sprech, Der Psychologe Shane Littrell hat anhand von Business-Bullshit untersucht, warum, obwohl hohler Humbug, das Ganze trotzdem funktioniert: „Wer solche Sätze für aussagekräftig hielt, also auf solchen Bullshit hereinfiel, neigte … generell zu einem wenig analytischen Denkstil.“ Ach, das will der aufgeklärte Mensch der Moderne ja nun nicht hören. Weil er dann nicht ist, für was er sich hält, aufgeklärt nämlich. 


Analysedefizit und kognitive Verunsicherung

Besonders aufgeschlossen fürs Geschwurbel scheint ausgerechnet der postmodern gläubige Mensch  zu sein, insbesondere bei den jüngeren. In eine ähnliche Richtung wie Littrell geht auch die Theologin Regina Polok im Hinblick auf die neue Religiosität der 

Gen Z. Die nämlich sei „von kognitiver Auseinandersetzung eher verunsichert“.

Analysedefizit und kognitive Verunsicherung - irgendwie  klingt das, als wünschte man sich zurück in die guten alten Zeiten vor der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Bespielt wird diese Stimmung von den jungen, unabhängigen Gemeinden. Sie nehmen den klerikalen Raum ein, den die etablierten Kirchen nicht mehr füllen. Sie kommen mit einer Mischung aus theologischem Holterdipolter und Herzenssprache daher und zwar  in elaboriertem Denglisch. 


Old-fashioned

Man muss natürlich sagen, im Gegensatz zu irgendeinem Vertriebsleiter-Geblubber glauben die Leader und Leaderinnen solcher Gemeinden durchaus an das, was sie sagen. Was allerdings nicht gesagt wird, ist, dass hinter dem spirituellen Geschäume in der Regel ein zutiefst wertekonservatives, freilich biblisches Welt- und Menschenbild steht: Familie ist Mann und Frau und das nur verheiratet. Autoritäre Leitungsstrukturen sind gottgewollt. Die Bibel wird, ungeachtet wissenschaftlicher Erkenntnis, old-fashioned gelesen; an diesem Punkt stimmen sie bizarrerweise mit dem Erkenntnisstand populärer Bibelkritiker überein. Zusammengefasst, sie kommen hip daher, sind aber im Kern vorzeitlich.


Reden ja, antworten nein

Wohlgemerkt, wer so denkt und glaubt, hat jedes Recht dazu. Die Gemeinsamkeit des Worship-Sprechs mit dem Bullshitting ist die Absicht, die hinter beidem steckt: Bullshitting vernebelt, verschleiert, verdummt und es schließt aus. Es ist eine exklusive Sprache, eine, der man zustimmen soll, die aber nicht zur Rede gestellt werden will. Reden ja, Antworten nein.

Man stelle sich vor, jemand würde einem Vertriebsleiter, der so richtig Fahrt aufgenommen hat, mit Rückfragen kommen. Nicht mit irgendwelchen biestigen, sondern einfach solchen zum Verständnis des Unverständlichen. Und nun stelle man sich vor, man würde einen Hippster-Pastor fragen, ob er sich vorstellen kann, wie zugehörig sich ein homosexueller Christ in der Gemeinde fühlt. 


Auf was man sich noch verlassen kann

Aber höchstwahrscheinlich passiert das gar nicht. Denn auf eines kann man sich nämlich verlassen: Auf die generell wenig ausgeprägte Neigung zu einem analytischen Denkstil. Dann ist‘s ja gut.


 
 
 

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