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Leigh Bardugos Grisha Verse

  • metuw7
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Stunden

... mehr als Romantasy

Bunte Bücher unter blauem Hintergrund. Ein Buch mit rotem, orangenem Design trägt den Titel "Lodernde Schwingen". Text: "Mehr als Romantasy".

Uwe: wir haben Denis Scheck zu verdanken, dass wir diesen Blog machen. Wenn wir über ihn nicht in die Wolle gekriegt hätten …


Kristine: … über Romantasy-Bestseller…


Uwe: … genau genommen über die Frage, ob alles, was romantastisch daherkommt, nur schnattrige Klischeeliteratur für den weiblichen Leser ist.


Kristine: Was es nicht ist. 


Uwe: Stimmt! Wir haben beide die Grisha-Verse gelesen. Ich finde, damit ist Leigh Bardugo etwas wirklich besonderes gelungen. Sie greift die typischen Romantasy-Zutaten auf, Schönheit, Drama, magisches Bootcamp, trallala, doch macht sie etwas anderes daraus. Schon allein die Tsarpunk-Kulisse ist einzigartig. Fantasy à la russe. Man hat zwar kritisiert, dass sie eine  Disneyversion von Russland erschaffen hat, doch warum auch nicht? Fantasy ist nicht Doku. Die Figuren können sich eigenständig auf dieser Bühne bewegen. Das hat mir Spaß gemacht. Warum hast Du die Bücher gelesen?


Kristine: Ich habe die Grisha-Verse zufällig entdeckt und bin hängen geblieben.  Alina findet, an ihr ist nichts besonderes und sie will auch gar nichts besonderes sein. Damit konnte ich mich identifizieren. Und dann wird sie damit konfrontiert, dass sie eine einzigartige Gabe besitzt. Doch diese Gabe ist kein Geschenk, sondern führt sie in von einer zwiespältigen Situation in die nächste. Sie selbst will eigentlich nur ein kleines, normales Leben.


Uwe: Das ist Leigh Bardugos Thema, wie‘s scheint. Im Neunten Haus greift sie es ebenfalls auf. Sie erzählt von Alexis, die Tote sieht. Eine Gabe, die sie veranlasst, alle möglichen Drogen auszuprobieren, damit sie ihr nicht ständig über den Weg laufen. Auch Alexis will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden und irgendwo ihr normales Dasein fristen, wie Alina auch. 


Kristine: Alina ist ein typischer Millennial. Sie wird bedrängt, manipuliert und ausgenutzt. Der Dunkle, der Asket, der Zar. Es spielt keine Rolle, wer sie ist oder was sie will. Es ist nur wichtig, wie nützlich sie ist und dass sie sich fügt. Ihre Gaben müssen ihr so zwangsläufig zum Verhängnis werden.


Uwe: Der Dunkle, der Zar, der Asket, mir fällt bei der Aufzählung auf, dass das nur Männer sind. Alina, die Millennial-Sonnenkriegerin, lebt in einer Welt, in der es natürlich ist, dass Männer die Regeln bestimmen. 


Kristine: Im Grunde schon. Frauen müssen Angst haben, wenn sie aus der Reihe tanzen. Als Baghra und Genya, Alinas Verbündete, sich dem Dunklen widersetzen, werden sie grausam bestraft.


Uwe: Hm! Das ist schon typisch für Romantasy. In Fourth-Wings ist die Heldin quasi rund um die Uhr in Todesgefahr, weil sie nicht spurt. Sie braucht einen männlichen Helden, der sie beschützt und die beide verlieben sich - ach, wie unverhofft - ineinander.


Kristine: Aber hier ist das ja gerade nicht so. Es gibt zwar so eine Figur, Nikolai Lantsov, Prinz, schön, mutig usw. Aber Alina und Mal, ihr Freund aus Kindertagen, sind ein Paar. Und zwar weil Mal, der, klar!, auch tapfer und unwiderstehlich ist, sich entscheidet, der Mann hinter einer starken Frau zu sein. Das ist der umgekehrte männliche Weg. 


Uwe: Was glaubst du? Wie viele Millennials, ich meine Männer, gehen in der Realität diesen umgekehrten, männlichen Weg?


Kristine: Na ja, Ravka ist nicht Reality. Aber ich würde schon sagen, dass man sich unter Millennials schon eher auf Augenhöhe begegnet. Man sieht die beziehungsweise den anderen als Person, als Gegenüber, nicht als Prinzessin, Befreier und Beschützer. Deshalb ist es auch oK, wenn ein Mann nicht die übliche Rolle als Hauptverdiener einnimmt und der Frau die Teilzeitfalle in einem Sozialberuf überlässt.


Uwe: Am Ende tappen Mal und Alina dann beide gemeinsam in diese Falle und leiten das Waisenhaus von Keramzin, fern von Krieg, Magie und religiösem Wahn. "Sie führten ein gewöhnliches Leben, erfüllt von gewöhnlichen Dingen - sofern man die Liebe jemals so bezeichnen kann." Kann man?


Kristine: Man kann.




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