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Uwe Metz Autor

Lebensbilder
Im hohen Alter tritt der Mensch am deutlichsten hervor. Nicht wie erträumt, erwünscht oder erwartet. Sondern wie er ist. Von Menschen, wie sie am Ende sind, erzählen die Lebensbilder.


Besuch im traurigen Land
Frau Behring wird nur selten besucht. Regungslos, schweigsam im Rollstuhl verharrend, sitzt sie
ihre Tage im Pflegeheim ab. Eine Kargheit ist um sie. Sie lebt in einem traurigen Land. Immer mehr verliert sie die Verbindung zu dem, was um sie ist. Selbst zum Naheliegendsten: Dem Teller Suppe und dem Löffel auf dem Tisch. Sie ergreift ihn nicht.
metuw7
23. Juni2 Min. Lesezeit


Frau Finscher braucht Batterien
Ohne Batterien geht es nicht, das Radio, der alte Plapperkasten, das einzige, das Frau Finscher ihr eigen nennt. Aber jetzt sind die Batterien leer und die Kinder haben vergessen, welche mitzubringen. Das ist Verrat. Verrat an der Mutter, die doch alles aufgegeben hat für ihre Kinder. Bis auf das Radio.
metuw7
30. März2 Min. Lesezeit


Adam, wer bist du?
Herr Benz weiß es nicht, aber er ist ein Klient. Herr Benz weiß es nicht, weil er seit dem Schlaganfall überhaupt nichts mehr weiß und nun Klient eines Pflegeheims ist. Eine merkwürdige Wortwahl. Eine verbale Hilflosigkeit, die ausdrückt, dass man mit Herrn Benz im Leben nichts mehr anfangen kann. Gibt es auch eine andere Weise, um über ein Leben zu reden? Ja. So wie Henri Nouwen über seinen Freund Adam spricht. Adam, der außer Atmen und Schlucken nichts kann.
metuw7
14. März4 Min. Lesezeit


Frau Golanz ist das wurscht
Frau Golanz ist ein Rekordsenior. Beim nächsten Geburtstag kommt die Zeitung, vielleicht das Fernsehen. Aber Frau Golanz ist das wurscht, was in der Zeitung steht und das Fernsehen ist ohnehin auch nur ein Staubfänger.
metuw7
15. Jan.2 Min. Lesezeit


Herr Klampp ist nah am Wasser gebaut
Die vorletzte Aufgabe des Lebens ist die schwerste. Frieden mit sich zu schließen. Besonders nachts, wenn er nicht schlafen kann, liegt die Schwere dieser Aufgabe auf ihm und treibt ihm, was seit Jahrzehnten nicht geschah, Tränen in die Augen.
metuw7
1. Jan.2 Min. Lesezeit


Frau Berlioz spricht in Farben
rau Berlioz hat das Sprechen eingestellt. So gut wie zumindest. Sie sagt noch einen Satz: „Das geht nicht.“ Der aktive Wortschatz eines Menschen umfasst durchschnittlich 14000 Worte. Bei ihr sind noch drei übrig. „Das geht nicht.“
metuw7
19. Dez. 20252 Min. Lesezeit


Frau Gellert hat Kopfweh
Der Schmerz bläst ihr durch Leib und Seele. Er ist ein scharfer Wind, von dem man tatsächlich nicht weiß, woher er kommt. Was tut mehr weh, der Kopf oder die Seele? Bedarfsmedikation hilft nicht, wenn einen der Herrgott selbst im Stich lässt.
metuw7
10. Dez. 20252 Min. Lesezeit


Herr Wegener liegt im falschen Bett
Herr Wegener hat sich ins falsche Bett gelegt. Gespornt und gestiefelt liegt er in Herrn Grosz Laken. Der ist fassungslos und empört, kann es aber nicht ausdrücken. Die Aufregung verscheucht die wenigen Worte, auf die er noch zurückgreifen kann.
metuw7
25. Nov. 20252 Min. Lesezeit


Frau Petru on the road
Frau Petru ist gut unterwegs. Noch vor einigen Tagen sauste sie im Rollstuhl durch den Wohnbereich. Jetzt zuckelt sie - Auferstehung - zu Fuß durch die Gänge. Rumänische Worte strömen unablässig aus ihrem zahnlosen Mund.
metuw7
22. Sept. 20251 Min. Lesezeit


Das Leben der Vampire
Putin ist 73, Xi Jinping 72 Jahre (und wenn wir schon dabei sind, the orange President Donald Trump ist 79). Sie krallen sich in die Gegenwart und lassen nach bester Vampirart Land und Mensch bluten, damit die Welt, wie sie sie wollen, auch in Zukunft so bleibt wie sie ist.
metuw7
12. Sept. 20252 Min. Lesezeit


Einüben in sich selbst
Das Alter macht einem bewusst, dass das ganze Leben letztlich ein Einüben darin ist, man selbst zu werden. Welches Selbst steht einem gegenüber?
metuw7
9. Juni 20252 Min. Lesezeit


„Im Leben ist es sehr, sehr schlecht, sensibel zu sein, aber für einen Schriftsteller ist es sehr gut.“
Der Schriftsteller T.C. Boyle äußerte diesen Satz, als er gefragt wurde, wie er sich in den USA der Gegenwart wahrnehme. Er erlebt sich in eine Diastase, in einer Aufspaltung. Dieselbe Begabung, die Sensibilität, die es ihm möglich macht, Schriftsteller zu sein, macht
es ihm unmöglich zu leben.
metuw7
3. Mai 20251 Min. Lesezeit
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